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Archäologischen Bezirk von Tharros

Die Stadt Tharros liegt auf der Halbinsel Capo San Marco, die zusammen mit dem Capo Frasca, die große Bucht von Oristano bildet, die lokal auch totes Meer genannt wird.

Das Stadtzentrum erstreckt sich an der Ostküste der Halbinsel, am toten Meer sowie an den Hängen der Hügels Su Muru Mannu und Torre di San Giovanni, die es gegen den starken Maestrale-Wind schützen (Abb. 1-2).

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Abb. 1 - Der Golf von Oristano mit Angabe der beiden Landausläufer, die ihn begrenzen (von: Google Earth. Überarbeitung C. Tronchetti)
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Abb. 2 - Die Halbinsel Capo San Marco, gesehen von Norden Nord: Links Teil der Überreste der Stadt; rechts der Hang des Hügels San Giovanni (Foto von Unicity S.p.A.)

Die Überreste der Stadt wurden nur zum Teil ausgegraben und daher ist die Rekonstruktion der Gliederung des Stadtzentrums in einigen Teilen unvollständig, vor allem, was die älteren Teile angeht, denn diese werden teilweise von späteren Bauwerken überdeckt. Auch die späteste Phase des Lebens der Stadt, die byzantinische Zeit, ist schlecht dokumentiert, da recht wenig von ihr erhalten geblieben ist. Das, was erhalten geblieben ist, ist jedoch ausreichend, um ein Bild von der Stadt zu vermitteln, oder besser Bilder von mehreren Städten, die im Laufe der Zeit aufeinander gefolgt sind.

Die Halbinsel Capo San Marco war während der Nuraghenzeit bewohnt und erhalten sind Spuren von Siedlungen aus der mittleren Bronzezeit, zwischen 1600 und 1300 v. Chr.; eine davon befindet sich im oberen Teil des Hügels Su Muru Mannu, unterhalb des phönizisch-punischen Tophets, und war Gegenstand von Grabungsarbeiten. Es handelt sich um eine kleine Gruppe von runden Hütten, sowohl einzeln, als auch um einen Innenhof angeordnet, es ist jedoch nicht sicher, ob auch eine Nuraghe vorhanden ist (Abb. 3-4).

Die in situ gefundenen Materialien gestatten es nur, die anfänglichen Phasen des Nuraghendorfs zu datieren, da die Siedlung des späteren punischen Tophets die letzten Schichten des Lebens zerstört hat, die zahlreichen gefundenen Keramikfragmente belegen jedoch, dass das Dorf zumindest bis zum 8. Jahrhundert v. Chr. bewohnt war.

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Abb. 3 - Das Nuraghendorf von oben (Foto von Unicity S.p.A.)
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Abb. 4 - Eine Hütte des Nuraghendorfs (Foto von Unicity S.p.A.)

Der Teil des Territoriums, im dem Tharros liegt, stand aus einer Reihe von Gründen früh mit der Welt außerhalb der Insel in Kontakt. Einer der Gründe besteht in dem Verlauf der Winde und der Meeresströmungen, die dazu führen, dass die Rückkehrroute von der iberischen Halbinsel nach Osten an den Balearen vorbei und dann genau auf die Höhe des Golfs von Oristano führt . Hier finden die Schiffe eine geschützte Anlegestelle mit einem Hinterland, das reich an Ressourcen und dicht bevölkert ist; eine Situation somit, die sehr günstig für Handelsbeziehungen ist.

Die Hauptanlegestelle, die anschließend zu einem Hafen ausgebaut wurde, wurde erst vor kurzem gefunden und befand sich in der Lagune von Mistras (Abb. 5), wenig mehr als drei Kilometer nordöstlich von Tharros.

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Abb. 5 - Lage der Lagune von Mistras, wo der Hafen von Tharros gefunden wurde (von: Google Earth. Überarbeitung C. Tronchetti).

Die Periode der Entstehung von Tharros als Stadt im engeren Sinne wurde noch nicht präzise bestimmt. Die Anwesenheit von Völker aus dem Nahen Osten, überwiegend Phöniziern, ist ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. belegt, es scheint jedoch, dass sich die Neuankömmlinge bei den lokalen Bevölkerungen aufhielten, ohne eigene Siedlungen zu gründen.

Auf der Grundlage neuer Untersuchungen, vor allem in der südlichen und der nördlichen Nekropole, sowie der Überarbeitung der alten Daten wurde die Entstehung des phönizischen Stadt Tharros auf die letzten Jahrzehnte des 7. Jahrhunderts v. Chr. datiert.

Von diesem Zentrum ist nichts erhalten geblieben, denn alles wurde durch nachfolgende urbanistische Eingriffe zerstört oder überdeckt; erhalten sind lediglich die beiden Nekropolen, vor allem die nördliche, die jedoch leider durch Grabungsarbeiten im 19. Jahrhundert verwüstet wurde (Abb. 6-7).

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Abb. 6 - Die Ausgrabung der nördlichen Nekropole von Tharros (aus: DEL VAIS, FARISELLI, 2012)
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Abb. 7 - Phönizisches Urnengrab der nördlichen Nekropole von Tharros (aus: DEL VAIS, FARISELLI, 2012)

 

Die Präsenz von Objekten mit Herkunft außerhalb der Insel - orientalisch, etruskisch und griechisch - sowohl in den Gräbern, als auch im Hinterland, verstanden im weitesten Sinn des Wortes, bietet uns das Bild eines wichtigen Importzentrums.

Diese Bedeutung wuchs beträchtlich in der nachfolgenden punischen Zeit, die gut dokumentiert ist.

Es sollte voraus geschickt werden, dass bisher Grabungsarbeiten (wenn auch nicht vollständig) in zwei Hauptbereichen durchgeführt wurden: A) der Hügel Su Muru Mannu und B) der untere Teil der Hügel Su Muru Mannu und San Giovanni; zwischen denen sich die Wohnhäuser und die öffentlichen Bauwerke befanden, mit einem Straßennetz aus römischer Zeit, das noch ausgegraben werden muss (Abb. 8).

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Abb. 8 - Die Fundstätte Tharros, mit Angabe der beiden untersuchten Bereiche des Orts (von Google Earth Überarbeitung C. Tronchetti).


Auf dem Hügel Su Muru Mannu befindet sich die besterhaltene Festungsanlage Sardiniens. Der Gipfel des Hügels wird von einer Ringmauer umgeben, die im Westen und im Norden erhalten ist. Das Bauwerk ist eindrucksvoll, bestehend aus Trockenmauerwerk aus großen unregelmäßigen Blöcken und es wurde bereits in der Antike ausgebessert (Abb. 9). Auf der Westseite, auf der auch eine Dekorabsicht sichtbar ist, da regelmäßige Blöcke aus hellem Sandstein eingesetzt wurde, befand sich eine Öffnung (Abb. 10), die verschlossen wurde.

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Abb. 9 - Der Verlauf der Festung Su Muru Mannu (Foto von Unicity S.p.A.. Überarbeitung C. Tronchetti).
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Abb. 10 - Die punische Mauer mit der Öffnung in der Römerzeit verschlossenen Öffnung (Foto von Unicity S.p.A.)

Vor dieser Mauer verläuft eine weitere, errichtet mit der gleichen Technik, die zusammen mit der ersten einen langen Graben bildet (Abb. 11). Früher wurde die Auffassung vertreten, dass diese Festungsanlage aus punischer Zeit stammt, aber neuere Untersuchungen haben belegt, dass das heutige Aussehen auf Eingriffe während der Zeit der römischen Republik ab dem 2. Jahrhundert n. Chr. zurückzuführen sind.

Nachdem die Gründe, die zu einer derart aufwendigen Baumaßnahme geführt hatten, nicht mehr gegeben waren, wurde der Graben zweckentfremdet und bis Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. teilweise zugeschüttet. Vor der Öffnung wurde eine kleine Grabkammer angelegt und im Graben befand sich eine römische Nekropole der ersten Kaiserzeit, überwiegend aus Kuppelgräbern bestehend (Abb. 12-13).

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Abb. 11 - Die Böschungsmauer des Grabens (Foto von Unicity S.p.A.)
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Abb. 12 - Die Grabkammer im Graben, die die Öffnung in der Mauer verschloss (Foto C. Tronchetti)
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Abb. 13 - Die Nekropole der Kaiserzeit im Graben (Foto von Unicity S.p.A.)

Der Raum hinter der Festungsmauer, in dem sich das Nuraghendorf befand, wurde in phönizischer und punischer Zeit von den Beisetzungen des Tophets eingenommen. Dieser weist keine strukturellen Elemente auf und sah die Besetzung in Urnen (Abb. 14) sowie die Errichtung von Stelen vor. In der Römerzeit befanden sich hier nicht näher bestimmte Bauwerke und viele Stelen wurden für den Unterbau eines Gebäudes verwendet (Abb. 15).

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Abb. 14 - Der Tophet während der Grabungsarbeiten (Foto Archiv der Soprintendenza Archeologica)
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Abb. 15 - Unterbau eines römischen Gebäudes, errichtet unter Verwendung von Stelen des punischen Tophets (Foto von Unicity S.p.A.)

 

Unmittelbar südlich des Tophets befindet sich eine unbebaute Fläche, der früher den Zugang von der Ringmauer zur Stadt bildete und der jetzt als kleines Amphitheater interpretiert, das ursprünglich von einer Terrassierung umgeben war.

An den Südhängen des Hügels Su Muru Mannu sind die römischen Überreste deutlich zu sehen. Zwei große, mit Basalt gepflasterte Straßen, ausgestattet mit zentraler Kanalisation, in die die Abflüsse der angrenzenden Häuser eingeleitet wurden (Abb. 16), unterteilen den Bereich in drei große Blöcke. Diese wurden noch durch Ausgrabungen untersucht, die Wohnhäuser des oberen Bereiches und die öffentlichen Gebäude sind jedoch zu erkennen, darunter mit Sicherheit eine Therme (Abb. 17) im unteren Bereich.

 

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Abb. 16 - Eine Straße der römischen Stadt; im Zentrum die moderne Abdeckung der Kanalisation (Foto von Unicity S.p.A.)

Das römische Straßensystem, das auf die Kaiserzeit datiert werden kann, unterteilt die urbane Textur in wohl definierte Zonen; im Zentrum befindet sich ein großes Dreieck, das am Meer von öffentlichen Sakralbauten und zum Berg hin von Wohnhäusern eingenommen wird (Abb. 18).

An der nordwestlichen Ecke dieses Dreiecks befindet sich ein Platz, in dessen Zentrum sich ein kleines Gebäude befand, wahrscheinlich eine kleine Ädikula, die nicht erhalten ist; an diesem Platz lag das Castellum Aquae der Stadt. Dabei handelt sich in der Praxis um eine große Zisterne, die das Wasser vom Aquädukt empfing und die an der Front einen großen öffentlichen Brunnen aufwies (Abb. 19-20).

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Abb. 17 - Auf der rechten Seite die Überreste eines Thermalgebäudes, das noch ausgegraben werden muss (Foto von Unicity S.p.A.)
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Abb. 18 - Der zentrale dreieckige Block (Foto von Unicity S.p.A.. Überarbeitung C. Tronchetti).
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Fig. 19 - Das Castellum Aquae (Foto von Unicity S.p.A.)
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Abb. 20 - Das Fassade des Castellum Aquae mit dem öffentlichen Brunnen (Foto von Unicity S.p.A.)


Der dreieckige Block wies, wie bereits gesagt,  einige Sakralbauwerke auf, darunter der Halbsäulentempel aus punischer Zeit (Abb. 21), der diese Bezeichnung trägt, da er

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Fig. 21 - Der Halbsäulentempel von oben (Foto von Unicity S.p.A.) Überarbeitung C. Tronchetti)
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Abb. 22 - Halbsäulentempel : Detail der Verzierung einer Langseite (Foto von Unicity S.p.A.)

 

Halbsäulen aufweist, die in den Fels des Fundaments gehauen sind (Abb. 22). Das gesamte Bauwerk wurde im 2. Jahrhundert n. Chr. mit anderen Bauwerken überbaut, die nicht erhalten sind. Neben dem beschriebenen Gebäude befindet sich ein scheinbar leerer Raum, auf drei Seiten umgeben von behauenem Naturfels und offen zur Straße, der von Gennaro Pesce aufgrund des besonderen Grundrisses als „ Tempel im semitischen Stil“ bezeichnet wurde. Gefunden wurde die Fundamente und die Reste der Mauern von zwei kleinen Sakralräumen mit Spuren von Mosaikbodenbelägen, die auf das 3. Jahrhundert n. Chr. datiert werden, umgeben von einem Korridor ohne Bodenbelag (Abb. 23-24).

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Abb. 23 - Der so genannte „Tempel im semitischen Stil“ (Foto von Unicity S.p.A.. Überarbeitung C. Tronchetti)
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Abb. 24 - Der so genannte „Tempel im semitischen Stil“ (Foto von Unicity S.p.A..


Auf der der Straße gegenüberliegenden Seite sind Reste erhalten, die wahrscheinlich zu einem Tempel gehören, der in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. Auf einem Podium aus großen Blöcken errichtet wurde; er kann rekonstruiert werden als Tempel mit 4 Säulen an der Front; die beiden sichtbaren Säulen sind zeitgenössische Rekonstruktionen (Abb. 25-26).

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Abb. 25 - Der Tempel aus der Zeit der römischen Republik (Foto von Unicity S.p.A.) Überarbeitung C. Tronchetti).
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Abb. 26 - Der Bereich des römischen Tempels mit den in zeitgenössischer Epoche rekonstruierten Säulen (Foto von Unicity S.p.A.)


Wir befinden uns im Herzen der römischen Stadt Tharros, wo sich die meisten öffentlichen Bauwerke befanden. An der Meerseite befindet sich außer dem beschriebenen Tempel ein wenig weiter nördlich unmittelbar am Ufer ein großes. Jedoch schlecht erhaltenes Thermalgebäude, das als „Thermen 1“ definiert wird (Abb. 27-28).

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Abb. 27 - Die Thermen Nr. 1 (Foto von Unicity S.p.A.).
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Abb. 28 - Die Thermen Nr. 1 (Foto von Unicity S.p.A.).

Dieses Gebäude wurde im Laufe der Zeit umgebaut und erweitert , zur Zeit der Grabungsarbeiten waren die beheizten Räume jedoch zu erkennen, während die kalten Bäder stark ruiniert waren (Abb. 29-30).

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Abb. 29 - Die Thermen Nr.1; mit dem Buchstaben A sind die beheizten Räume bezeichnet (aus: ZUCCA 1984. Überarbeitung C. Tronchetti).
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Abb. 30 - Thermen Nr. 1: Öffnung eines Praefurniums (Foto von Unicity S.p.A.)

 

In spätrömischer Zeit wurde der nördliche Teil der Thermen in eine frühchristliche Basilika integriert, von der ein Taufbecken mit hexagonaler Form erhalten ist, das auf den Zeitraum zwischen dem 5. und dem 6. Jahrhundert n. Chr. datiert wird. (Abb. 31).

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Abb. 31 - Das frühchristliche Taufbecken (Foto von Unicity S.p.A.)


Der öffentliche Bereich der römischen Stadt setzt sich nach Süden fort, wo sich ein weiteres, besser erhaltenes Thermalgebäude befindet, das als Thermen des alten Konvents bezeichnet wird (Abb. 32). Der Name verweist vielleicht auf die spätere Nutzung der Bauwerke als Zufluchtsstätte von Mönchen; die einzige erhaltene Spur ist ein Grab aus byzantinischer Zeit, das im Zugang gefunden wurde, der als Umkleide genutzt wurde (Abb. 33).

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Abb. 32 - Öffentlicher Küstenbereich von Tharros: Oben der römische Tempel; unten die Thermen des alten Konvents (Foto von Unicity S.p.A.)
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Abb. 33 - Die Umkleide der Thermen des alten Konvents mit Eingang zum Frigidarium, und lins das byzantinische Grab, das in ein modernes Bauwerk aus Beton integriert ist (Foto von Unicity S.p.A.)

Ein Teil des östlichen Bereiches des Gebäudes fehlt, da er vom Meer abgetragen wurde, erhalten ist jedoch eine Mauer, die es gestattet, den typischen Grundriss der Thermen zu erkennen: Umkleide, Raum für kalte Bäder und ein Durchgang zu den beheizten Räumen (Abb. 34-35).

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Abb. 34 - Die Thermen des alten Konvents (Foto von Unicity S.p.A.). Überarbeitung C. Tronchetti).
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Abb. 35 - Planimetrie der Thermen des alten Konvents: 1) Apodyterium, 2) Frigidarium, 3-5) Kalidarien, 6) Tepidarium (aus: ZUCCA 1984)

Dieses Gebäude wurde nach dem Jahr 200 n. Chr. errichtet, eine Periode, aus der viele Bauwerke der römischen Städte Sardiniens stammen.

Oberhalb der Thermen des alten Konvents erhebt sich der Hang des Hügels San Giovanni, für den in spätpunischer und römischer Zeit eine intensive Bebauung belegt ist (Abb. 36-37).

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Fig. 36 - Die Bebauung des Hang des Hügels von San Giovanni (Foto von Unicity S.p.A.. Überarbeitung C. Tronchetti).
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Abb. 37 - Kultgebäude am Hang des Hügels von San Giovanni, das als Spanischer Turm bezeichnet wird (Foto von Unicity S.p.A.)

 

Zwischen dem 3. Jahrhundert und dem 2. Jahrhundert v. Chr. wurde eine große Treppe angelegt, von der recht wenig erhalten ist; sie führt zu einem kleinen Tempel mit Portikus, bezeichnet als Tempelchen K, zu dem die architektonischen Friese gehören, die am Fuß des Hügels gefunden wurden (Abb. 38-39).

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Abb. 38 - Friese des architektonischen Dekors des Tempelchens (Foto von Unicity S.p.A.)
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Abb. 39 - Der Grundriss des Tempelchens K (aus: ACQUARO,.FINZI 1986)

In der römischen Kaiserzeit, zwischen dem 2. und dem 3. Jahrhundert n. Chr., wurde das Bauwerk stark umgebaut. Der Portikus wurde in Räume unterteilt, der Eingang des Tempelchens wurde verschlossen und bei den Umbauarbeiten wurden Materialien des ersten Bauwerks verwendet, darunter die Überreste eine punischen Inschrift.

Der restliche Bereich von Tharros wird von Wohnhäusern aus römischer und spätrömischer Zeit eingenommen; da sie bereits in der Antike umgebaut und abgeändert wurden, ist die präzise Definition recht komplex (Abb. 40-42).

Die Stadt wurde durch gepflasterte Straßen sorgfältig in „Stadtviertel“ unterteilt; diese Hauptstraße wiesen ein effizientes Kanalisationssystem auf (Abb. 43).

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Abb. 40 - Der römische Wohnbezirk am Hang des Hügels von San Giovanni, im Westen das Castellum Aquae (Foto von S.p.A.)
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Abb. 41 - Der zentrale Bereich von Tharros: rechts der öffentliche Bereich, links der Wohnbezirk (Foto von Unicity S.p.A.)
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Abb. 42 - Die urbane Textur des römischen Tharros: eine schmale Straße führte zu den Wohnhäusern (Foto von Unicity S.p.A.)
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Abb. 43 - Die Kanalisation einer kleineren Straße , die den Hang des Hügels von San Giovanni hinab führt (Foto von Unicity S.p.A.)


Die Wohnhäuser weisen, auch aufgrund der starken Höhenunterschiede am Hang (Abb. 44) unterschiedliche Grundrisse auf (Abb. 45-46) und verfügen in den meisten Fällen über ein zweites Stockwerk mit Empore.

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Abb. 44 - Wohnblock aus römischer Zeit (Foto von S.p.A.)
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Abb. 45 - Typologie der wichtigsten Grundrisse der römischen Häuser (aus: MARANO 2013)
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Abb. 46 - Römisches Haus des Typs 2 von Abb. 45 (Foto von Unicity S.p.A.)

Die Wasserversorgung wurde durch ein System von Zisternen gewährleistet, in denen das Regenwasser aufgefangen wurde (Abb. 47), sowie durch Brunnen (Abb. 48), aus denen Grundwasser gefördert wurde.

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Abb. 47 - Römische Zisterne (Foto von Unicity S.p.A.)
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Abb. 48 - Einfassung eines römischen Brunnens (Foto von Unicity S.p.A.)

Das lange Leben von Tharros ist gut belegt hinsichtlich des Wandels der Nutzung der Wohngebäude; in einigen sind Spuren des Verfalls des urbanen Gewebes von Räumen des öffentlichen Lebens zu landwirtschaftlich genutzten Flächen zu erkennen (Abb. 49), wie Mühlen für das Mahlen von Getreide belegen, das eine der wichtigen Grundlagen der Ernährung bildete.

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Abb. 49 - Raum mit Mühlen für das Mahlen von Getreide (Foto Archiv der Soprintendenza Archeologica)

In der Vandalenzeit erfolgte eine große Umgestaltung des öffentlichen Stadtviertels am Ufer des Golfs von Oristano, mit Entstehung eines Kultgebäudes im Bereich der Thermen Nr. 2 sowie wahrscheinlich eines Konvents im Bereich der Thermen des alten Konvents.

In der byzantinischen Zeit begann der Verfall der Stadt, die langsam ausstarb, auch wenn im Mittelalter ein Hafen genutzt wurde, dessen Lage ungewiss ist.

Sicher ist die Nutzung des Bereichs im Mittelalter, wie die kleine Kirche San Giovanni di Sinis belegt, die aus dem 6. bis 7. Jahrhundert n. Chr. stammt (Abb. 50-52) und im 11. Jahrhundert umgebaut wurde. Das Kultgebäude befindet sich im Hinterland von Tharros, wenig mehr als 500 Meter nördlich der Festung Su Muru Mannu, und sie folgt damit einem Typ analoger religiöser Siedlungen, wie der Kirche Sant’Efisio in Pula, in der unmittelbaren Nähe der Stadt Nora (Abb. 53).

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Abb. 50 - Die Kirche San Giovanni (Foto von Unicity S.p.A.)
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Abb. 51 - Fassade der kleinen Kirche San Giovanni (Foto von Unicity S.p.A.)
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Abb. 52 - Die kleine Kirche San Giovanni (A) in Bezug auf den Hügel Su Muru Mannu (B) (von Google Earth. Überarbeitung C. Tronchetti).
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Abb. 53 - Pula, Nora. Die Lage der Kirche S. Efisio (A) in Bezug auf Nora (B). (von Google Earth. Überarbeitung C. Tronchetti).

Auch wenn das Leben sich bereits an andere Orte verlagert hatte, war das Gebiet Überfällen der Sarazenen ausgesetzt und der König von Spanien, Philipp II. lies im Rahmen der Maßnahmen zum Schutz der Insel den Turm von San Giovanni errichten, der die Landschaft noch heute dominiert (Abb. 54). Das genaue Datum der Errichtung ist nicht bekannt, der Turm ist jedoch in Dokumenten aus dem Jahr 1591 belegt.

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Abb. 54 - Der spanische Turm San Giovanni (16. Jahrhundert) (Foto von Unicity S.p.A.)

 

Weitere Zeugnisse der Stadt Tharros sind die phönizischen und punischen Nekropolen, die sich nördlich und südlich der Stadt befinden. Der älteste Kern scheint der nördliche zu sein (Abb. 55-56), westlich des Landausläufers, im heutigen Ort San Giovanni di Sinis, wo punische Kastengräber sowie phönizische Urnengräber gefunden wurden (Abb. 57).

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Abb. 55 - Lage der nördlichen Nekropole von Tharros (A) in Bezug auf den Hügel Su Muru Mannu (B) (von Google Earth. Überarbeitung C. Tronchetti).
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Abb. 56 - Die nördliche Nekropole von Tharros während der Grabungsarbeiten (aus: DEL VAIS, FARISELLI 2012)
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Abb. 57 - Phönizisches Urnengrab der nördlichen Nekropole von Tharros (7. Jahrhundert v. Chr.) (aus: DEL VAIS, FARISELLI 2012)

Die südliche Nekropole hat unter den Plünderungen im 19. Jahrhundert am stärksten gelitten; sie besteht überwiegend aus unterirdischen Gräbern aus der punischen Zeit (5. bis 3. Jahrhundert v. Chr.), mit Schachtzugang, oft mit hohen und steilen Stufen entlang einer Wand (Abb. 58-60).

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Abb. 58 - Lage der südlichen Nekropole von Tharros (A) in Bezug auf die Stadt (B) (von Google Earth. Überarbeitung C. Tronchetti).
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Abb. 59 - Der Hauptkern der südlichen Nekropole von Tharros (Foto von Unicity S.p.A.)
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Abb. 60 - Südliche Nekropole von Tharros: Detail der Zugangsschächte zu den Grabkammern (aus: DEL VAIS 2006)


 

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Credits

Wissenschaftliche koordination
dr. Carlo Tronchetti

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